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Konsumenten-Studie: Westen spart, Russen prassen

Konsumenten-Studie: Westen spart, Russen prassen
14:40 21/06/2012
MOSKAU, 21. Juni (RIA Novosti)

Der Durchschnittslohn in Russland entspricht der Summe, die die Russinnen und Russen als ausreichend für ein würdiges Leben bezeichnen, wobei die Bevölkerung dazu neigt, Geld sofort auszugeben, anstatt es als „Notgroschen“ auf die hohe Kante zu legen.

Diesen Schluss über die finanziellen Vorlieben des Durchschnittsrussen legen die jüngsten Umfragen des Lewada-Zentrums und der Boston Consulting Group nahe, schreibt die Tageszeitung „Moskowskie Nowosti“ am Donnerstag. Die US-Analysten sind dabei der Ansicht, dass die weltweite Finanzkrise sich nicht auf die genannte „Freigiebigkeit“ der Russen  ausgewirkt hat.

Die Soziologen aus dem Lewada-Zentrum, die ihre Umfrage Ende Mai in 45 russischen Regionen durchgeführt haben, kommen auf eine für ein „normales Leben“ eines russischen Staatsbürgers notwendige Mindestsumme von 27 247 Rubel (umgerechnet ca. 680 Euro) – um rund 80 Euro mehr als in einer analogen Statistik aus dem Vorjahr (24 000 Rubel).

Die Umfragewerte entsprechen in etwa den offiziellen Angaben zum Durchschnittseinkommen der Russen, das laut dem staatlichen Statistikamt Rosstat bei 25 600 Rubel liegt. Die Befragten sind der Ansicht, dass das Existenzminimum für jedes Familienmitglied mindestens 12 000 Rubel (ca. 300 Euro) betragen muss.
In dieser Frage weichen die Antworten der Bürger etwas von den Berechnungen der Behörden ab: In Moskau gilt als Existenzminimum derzeit eine Summe von 9600 Rubel (240 Euro), während im Gebiet Tjumen (Westsibirien) etwas mehr als 6000 Rubel (150 Euro) ausreichen.

Marina Krasilnikowa, Leiterin der Abteilung für Lebensstandard, Einkommen und Verbraucherverhalten im Lewada-Zentrum erklärt diesen „bereits seit Jahren“ zu beobachtenden Unterschied damit, dass die Russinnen und Russen unter dem Existenzminimum das Einkommensniveau verstehen, das nötig ist, um mehr oder weniger würdig über die Runden zu kommen („soziales Existenzminimum“), während Rosstat von der für das blanke physische Überleben notwendigen Summe ausgehe.

Dass die Befragten ein „nicht besonders hohes Einkommen von 27 000 Rubel als normal empfinden" hat laut Krasilnikowa damit zu tun, dass „menschliche Bedürfnisse wie der Kauf einer Eigentumswohnung oder eines Autos, regelmäßiger Urlaub und die Möglichkeit, seinen Kindern kostenpflichtige Ausbildung zu ermöglichen  in der Regel nicht unter die Kategorie 'normales Leben' fallen", ebensowenig wie Hypothekenzahlungen oder die Tilgung anderer Kredite.

„Die Vorstellungen über ein ‚normales Leben‘ unterscheiden sich nicht von den Vorstellungen über eine mehr oder weniger erträgliche Existenz“, erklärt die Expertin des Lewada-Zentrums weiter. Als reich werden Familien wahrgenommen, in denen auf jede Person monatlich 176 000 Rubel (4400 Euro) und mehr kommen. In den USA würden derartige „Reiche“ mit einem Jahreseinkommen von 60 000 Dollar als gewöhnliche Vertreter der Mittelschicht gewertet, während die russische „Mittelschicht“ sich dort an der Armutsgrenze befände.

Die Boston Consulting Group (BCG) indes stellt in ihrem gestern veröffentlichten alljährlichen „Consumer Sentiment Barometer“ (Barometer der Verbraucherstimmungen) eine Anomalie fest, die wohl höchstens mit der „Rätselhaftigkeit der russischen Seele“ erklärt werden kann, schreibt die Zeitung weiter.Vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise ziehen die Konsumenten in 15 untersuchten Ländern es vor, Ersparnisse anzulegen. Die Russen hingegen sind nur noch williger, Geld auszugeben. Nur 25 Prozent der Befragten Bürger Russlands sprachen sich für das Sparen aus – ein Unterschied nicht nur zu den westlichen Verbrauchern, sondern auch zu den Indern (69 Prozent) und den Chinesen (44 Prozent).

„Diese Beobachtungen sind völlig logisch und entsprechen höchstwahrscheinlich den Tatsachen“, so Genrich Penikas, Professor an der Moskauer Wirtschaftshochschule zu „Moskowskie Novosti“. Ihm zufolge stellen nämlich gerade Investitionen vor allem in größere Anschaffungen noch immer die beliebteste Ausformung des „Notgroschens“ dar. „Besser jetzt ausgeben, etwas Kostspieliges kaufen, als dann (das Geld) zu verlieren“, erläutert Penikas. „Das hat nicht nur mit der Krise zu tun, die Russen sind im Prinzip nur schlecht über die Finanzinstrumente informiert, die ihnen erlauben würden, Geld anzusparen. Die Sphäre der Finanzdienstleistungen ist immer noch unterentwickelt und instabil.“

Außerdem, so die Experten des BCG, spielt bei der Lust der Russen am Geldausgeben auch der psychologische Faktor eine Rolle. Shopping hebt einfach die Stimmung der Bevölkerung. Mit der Aussage „Je mehr ich kaufe, desto glücklicher fühle ich mich“ waren 42 Prozent der Russen einverstanden. Den Brasilianern (40 Prozent) geht es damit übrigens genauso. In der Schweiz hingegen beträgt der Anteil solcher „glücklicher Kunden“ nur 22 Prozent.

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