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Sicherheit und Militär

„Nesawissimaja Gaseta“: Moskau muss seine Südflanke für den Fall eines Iran-Kriegs festigen

12:22 15/12/2011
MOSKAU, 15. Dezember (RIA Novosti).

Die um Syrien und den Iran entstehende geopolitische Situation zwingt Russland zu einer beschleunigten Vervollkommnung seiner militärischen Gruppierungen in Transkaukasien, am Kaspischen Meer sowie in den Regionen des Mittel- und des Schwarzmeeres, schreibt die Tageszeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Donnerstag.

Der Kreml bekommt laut dem russischen Verteidigungsministerium Informationen über von den USA unterstützte israelische Vorbereitungen auf einen Schlag Israels gegen iranische Nuklearobjekte. Der Schlag soll überraschend sein, der Tag „X“ soll dabei schon sehr bald kommen. Teherans Gegenschläge werden voraussichtlich nicht auf sich warten lassen. Möglich ist ein groß angelegter Krieg, dessen Folgen schwer vorhersagbar sind.

„Im militärischen Bereich hat die Vorbereitung Russlands auf eine Verringerung der Verluste infolge von Militäroperationen gegen Teheran vor mehr als einem Jahr begonnen“, schreibt das Blatt. „Nun ist sie faktisch abgeschlossen. Laut Quellen im Verteidigungsministerium wurde der 102. Militärstützpunkt in Armenien im Herbst dieses Jahres vollständig auf einen optimalen Stand gebracht. Die Familien der Militärangehörigen wurden nach Russland gebracht, während die in der Nähe von Jerewan stationierte russische Garnison verringert wurde. Die dort stationierten Militäreinheiten wurden in den Raum von Gjumri, näher zur türkischen Grenze, verlegt. Vorerst ist nicht klar, welche Aufgaben der Stützpunkt zu lösen hat. Bekannt ist allerdings, dass die russischen Truppen in den Stützpunkten in Südossetien und Abchasien in volle Einsatzbereitschaft versetzt wurden. Schiffe der Schwarzmeerflotte patrouillieren das Gewässer in der Nähe der Grenze zu Georgien, das in diesem Konflikt auf der Seite der antiiranischen Kräfte agieren könnte.“

„In ständige Einsatzbereitschaft ist eine Küstenschutz-Raketenabteilung in Isberbasch, Teilrepublik Dagestan, in der Nähe zur aserbaidschanischen Grenze versetzt worden, die über Seezielraketen des Typs Bal-E mit einer Reichweite von 130 km verfügt“, so das Blatt. „In den Raum von Machatschkala sind alle Raketenschnellboote der Kaspi-Flottille aus Kaspijsk und Astrachan verlegt worden, um dort eine einheitliche Kriegsschiffgruppierung zu bilden. Dem Flagschiff der Flottille, dem Küstenschutzschiff ‚Tatarstan’, schließt sich bald das kleine Artillerieschiff ‚Wolgodonsk’ und das Raketenschiff ‚Dagestan’ an. Die Flagschiffe der Flottille sind mit Raketensystemen ausgerüstet, die eine Reichweite von bis zu 200 km haben.“

„Zu den Mittelmeerküsten begab sich dieser Tage die Flugzeugträger-Gruppe der Nordflotte mit dem schweren Flugdeckkreuzer ‚Admiral Flota Sowetskogo Sojusa Kusnezow’, der in den syrischen Hafen Tartus einlaufen soll“, führt das Blatt weiter aus. Laut einigen Informationen wird die Schiffsgruppe von Atom-U-Booten der Nordflotte begleitet. „Auf offizieller Ebene wird natürlich nicht mitgeteilt, welche Aufgaben die Armee und Flotte im Falle eines Kriegs gegen den Iran zu erfüllen haben. Im Verteidigungsministerium ist man allerdings über den Stand der materiell-technischen Versorgung der Truppengruppierung in Armenien besorgt. Der 102. Stützpunkt ist ein Vorposten Russlands in Transkaukasien, der eine überaus wichtige geopolitische Lage einnimmt. Der Kreml befürchtet, dass diese Lage nun verloren geht. Im Falle eines Krieges der USA und Israels gegen den Iran wäre das für Russland wirklich eine Katastrophe.“

„Im April hat Georgien den Vertrag über den Transit von Militärgütern aus Russland nach Armenien aufgelöst“, schreibt die Zeitung. „Die russisch-armenische Truppengruppierung im Südkaukasus ist faktisch bereits isoliert. Die Versorgung der russischen Armee erfolgt nur auf dem Luftwege und über direkte Verträge mit Armenien, das wiederum Benzin, Dieseltreibstoff und Kerosin im Iran kaufen muss. Ein Krieg im Iran würde  bedeuten, dass die Versorgung des Stützpunkts über diesen Kanal eingestellt wird.“

Mit Besorgnis schaut das russische Verteidigungsministerium auch in Richtung Aserbaidschan, stellt das Blatt fest. Dieses Land hat sein Militäretat in den zurückliegenden drei Jahren verdoppelt. Es kauft israelische Drohnen und anderes modernes Aufklärungsinstrument, was Teheran und Armenien mit gutem Grund nervös macht. „Selbst angesichts des Streits mit dem Iran um Ölvorkommen im Süden des Kaspi-Raums kann man kaum behaupten, dass Baku eine Militärkampagne gegen den Iran unterstützen würde“, äußert Anatoli Zyganow, Leiter des Zentrums für Militärprognosen in Moskau. „Äußerst unwahrscheinlich ist auch, dass es Kampfhandlungen gegen Armenien aufnehmen wird.“

Militärexperte Oberst Wladimir Popow teilt diese Meinung nicht. „Präventivschläge der Armee Aserbaidschans gegen Armenien und Bergkarabach mit dem Ziel, den Gebietsstreit endlich für sich zu entscheiden, sind durchaus möglich“, meint er. „Wenn Aserbaidschan vor dem Hintergrund eines Krieges im Iran mit Unterstützung der Türkei Armenien überfällt, wird Russland natürlich alle Luftangriffe auf Armenien mit Hilfe der armenischen Fla-Kräfte abwehren“, so Popow. „Schwer zu sagen, ob dies als eine Beteiligung Moskaus an den Kampfhandlungen gelten wird. Zweifellos werden russische Truppen nicht an etwaigen Kampfhandlungen auf dem Territorium von Bergkarabach teilnehmen.“

Eine militärische Beteiligung Russlands an einem Konflikt im Iran schließt der Experte ebenfalls nicht aus. „In der ungünstigsten Variante, wenn Teheran eine totale militärische Niederlage als Folge einer Invasion von US- und Nato-Truppen in den Iran drohen würde, könnte ihm Russland militärische Hilfe erweisen, zumindest auf militärtechnischer Ebene.“

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