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Jurassic Park in Jakutien: Vorerst kein Mammutklon

Jurassic Park in Jakutien: Vorerst kein Mammutklon
18:18 13/09/2012
Sergej Petuchow, RIA Novosti

Am Dienstag sind in der Universität in Jakutsk die Ergebnisse einer russisch-koreanischen Expedition präsentiert worden, bei der im Dauerfrostboden nach Mammutüberresten gesucht worden war, die fürs Klonen geeignet sind.

Nahe dem jakutischen Dorf Kasatschje (Landkreis Ust-Jansk) haben die Forscher Mammutfell und mehrere Mammutknochen gefunden, darunter einen mit Knochenmark. Darin wurde mithilfe eines Mikroskops ein äußerlich unbeschädigter Zellenkern entdeckt.

Das wurde der Anlass für die sensationelle Meldung, dass endlich „lebendige Mammutzellen“ entdeckt worden seien, so dass das Klonen dieses Riesentiers nur eine Frage der Technik und der Zeit sei.

„Ich wurde sehr misstrauisch, als die Meldung über „lebendige Mammutzellen“ kam. Ich habe bereits mit Experten in Jakutsk telefoniert und ihnen gesagt, dass sie ihre Fantasie zügeln sollten“, sagte der Vizechef des St. Petersburger Zoologischen Instituts und Co-Leiter der Expedition, Alexej Tichonow, der Agentur RIA Novosti.

Gewebe stammt vom Nashorn

Die letzten Mammute sind aus historischer Sicht vor gar nicht allzu langer Zeit ausgestorben – vor 3700 Jahren, im Bronzezeitalter, als in Ägypten schon die Hieroglyphen erfunden wurden und auf Kreta die Minoische Kultur entstanden war, die mit den Flügen von Ikarus und Daidalos, dem Minotauros-Labyrinth usw. weltbekannt wurde.

Angesichts dessen hofften viele Experten, früher oder später einen gefrorenen Mammutkadaver zu finden, der „wiederbelebt“ werden könnte. Nach dem erfolgreichen Klonen von Schaaf „Dolly“ wurde aus dieser Hoffnung fast schon eine Überzeugung.

Um ein Tier zu klonen, ist nicht einmal das ganze Skelett erforderlich, sondern theoretisch nur eine einzige Zelle, egal ob aus Muskel oder Fett, Knochen oder Fell.

Als erste gingen japanische Forscher mit Professor Akira Iritani vom Institute of Advanced Technology an der Kinki University in den späten 1990er-Jahren auf Expedition in Russlands hohem Norden.

„In den Jahren 1997 und 1999 suchten wir mit den Japanern an der Kolyma nach ‚frischen‘ Mammutkadavern“, erinnerte sich der Biologe Gennadi Bojeskorow, aus Jakutsk. „Wir haben keine „lebendigen Zellen“ entdeckt, dafür aber ein Stück Fell, das Iritani mit nach Japan genommen hatte. Später stellte sich jedoch heraus, dass das nicht Mammut-, sondern Nashornfell war.“

Die damalige Expedition sei von den Japanern finanziert worden, ergänzte der Experte.

Schätze aus jakutischen Katakomben

Einen neuen Versuch, Mammutzellen im Dauerfrostboden zu finden, haben in diesem Sommer südkoreanische Genetiker von der Sooam Biotech Research Foundation unternommen. Von russischer Seite waren Experten der Universität in Jakutsk daran beteiligt. Wie der Expeditionsleiter und Direktor des Mammutmuseums in Jakutsk, Semjon Grigorjew, verriet, hatten sie sich darauf gründlich vorbereitet.

Neben Genetikern und Paläontologen beteiligte sich auch eine Crew der britischen Firma CB-Films, die Dokumentarfilme für Sender wie BBC, National Geographic usw. produzierte. Der im Sommer gedrehte Film soll im kommenden Jahr im Fernsehen gezeigt werden.

„Wir suchten in der Nähe meines Heimatdorfes Kasatschje. Die Einheimischen suchen seit Jahren nach Mammutknochen. Letztendlich entstand in fünf bzw. sechs Metern Tiefe ein Tunnelsystem mit einer Gesamtlänge von mehreren hundert Meter, das für die Forscher enorm interessant ist“, so Grigorjew weiter. „In den vergangenen drei Jahren wurden hier mindestens fünf einzigartige Funde gemacht, ein Hund (12 000 Jahre), ein junger Elch (9000 Jahre), ein junges Mammut (40 000 Jahre) sowie ein Pferd und ein Bison, die allerdings etwas ‚jünger‘ waren.“

Die Erwartungen erwiesen sich als begründet: In einem unterirdischen Gang wurden Mammutfell mit Geweberesten und ein Markknochen gefunden. Das Mark wurde später mit einem Mikroskop der Japaner untersucht.

Unter dem Mikroskop entdeckten die Forscher unbeschädigte Zellkerne, die möglicherweise die DNS des Mammuts enthalten. Das Knochenmark sei sofort eingefroren worden. Sein koreanischer Kollege Hwang Woo-suk hoffe jetzt, endlich ein Mammut klonen zu können, ergänzte Grigorjew. 

Enfant Terrible der Genetik

Genetiker Hwang Woo-suk genießt in Wissenschaftskreisen einen fragwürdigen Ruf. 2007 musste er die Seoul National University verlassen, nachdem er in den Verdacht geraten war, die Ergebnisse eines Experiments zum Klonen von menschlichen Stammzellen gefälscht zu haben. 2009 wurde er zu zwei Jahren Bewährung wegen des Verstoßes gegen die biologische Ethik verurteilt. Unter anderem soll er seine Mitarbeiterinnen um Eizellen für Experimente ersucht haben.

Formell räumte Hwang Woo-suk ein, die Ergebnisse des Stammzellenklonens gefälscht zu haben und widerrief seine entsprechende Publikation im US-Fachmagazin „Science“. Dann setzte er seine Arbeit in einer privaten Forschungsstiftung fort.

Selbst Hwang Woo-suks Gegner müssen einräumen, dass er einer der erfolgreichsten Klonexperten der Welt ist. 2005 konnte er einen Hund klonen, woran seine britischen und amerikanischen Kollegen zuvor gescheitert waren. Vor einem Jahr gelang ihm dasselbe Experiment an einem Präriewolf.

„Vor der Vertragsschließung über die Expedition hatten meine Kollegen aus Jakutsk Hwang Woo-suks Labor in Korea besucht und waren sehr beeindruckt“, erzählte Alexej Tichonow. „Und Professor Hwang Woo-suk selbst wirkt wie eine sehr anständige Person“, ergänzte Grigorjew.

„Jedenfalls ist er mutig. Er riskierte sein Leben, als er in einen 50 Meter tiefen Tunnel stieg, der jederzeit einstürzen kann. Die Einheimischen machen solche Gruben im Dauerfrostboden mithilfe von Wasserpumpen“, so Tichonow.

Elefantenartiges Mammut oder mammutartiger Elefant?

„In Wirklichkeit wurde unter dem Mikroskop nur ein äußerlich unbeschädigter Zellkern entdeckt“, sagte Tichonow weiter. „Die Zellen selbst gab es nicht mehr. Außerdem ist bislang unklar, um was für einen Kern es sich handelt und ob er einer Mammutzelle gehört oder einer fremden Bakterie.“

Nach seinen Worten hatten Forscher aus Nowosibirsk unbeschädigte Mammutzellen entdeckt, die beim Auftauen jedoch auseinanderbrachen. Es sei äußerst unwahrscheinlich, dass einzelne Zellen eines Tieres bei dessen Tod am Leben bleiben, bis sie einfrieren. Die Zellen frieren bereits tot ein oder sterben beim Einfrieren, da sich im Zellinneren Eis bildet, das die Zelle wie ein Messer zerschneidet, vermutete der Forscher.

„Bakterien können sich abkapseln und zehntausende Jahre im Scheintod existieren. Bei Großtieren wie Mammute können dagegen nur tote Zellen mit DNS-Überresten erhalten bleiben“, so Bojeskorow. „So etwas kommt ziemlich häufig vor.“ Nach seinen Worten wurden inzwischen große Fortschritte bei der DNS-Entzifferung des Mammuts gemacht. „Es ist aber unmöglich, den Kern einer toten Mammutzelle in eine Elefanten-Eizelle zu transplantieren und das Mammut zu klonen.“

„Darüber hinaus gibt es ein unüberwindbares Hindernis“, fuhr der Forscher fort. „Selbst wenn eine Mammutzelle wiederbelebt und in eine Elefanten-Eizelle transplantiert werden könnte, würde dadurch kein Embryo entstehen. Die beiden Tiere sind keine nahen Verwandten. Sie gehören nicht nur unterschiedlichen Gattungen, sondern auch verschiedenen Arten an. Die Koreaner selbst haben bewiesen, dass es unmöglich ist, in der Hundefamilie einen Fuchs mithilfe von Wolf-Zellen zu klonen“, betonte Tichonow.

Selbst wenn die Mammut-DNS sehr gut erhalten geblieben wäre, könnte höchstens ein genetisch veränderter Elefant kreiert werden, ergänzte er. „Das wäre weder ein Mammut noch ein Elefant.“

„Die Wissenschaft entwickelt sich aber weiter“, fuhr Tichonow fort. „Erst vor wenigen Jahren hätte ich gesagt, ein Mammut könne nicht geklont werden. Jetzt bin ich da aber nicht mehr so sicher. Möglicherweise gelingt so ein Experiment irgendwann.“

High-Tech-„Wollflöckchen“ vom toten Mammut für russische Forscher

Aber auch wenn das Klonen des Mammuts vertagt werden muss, ist die russisch-koreanische Expedition ein Erfolg.

Tichonow zufolge sieht der Vertrag mit den Koreanern die Versorgung der Universität in Jakutsk mit modernsten Forschungsanlagen sowie Fortbildungen vor. „Wir erhalten ein Genlabor in Jakutsk, was viel wichtiger als das Mammutklonen ist“, unterstrich der Wissenschaftler. In Sibirien könnte dadurch ein großes Forschungszentrum entstehen, das die Entwicklung der russischen Genforschung voranbringen könnte.

Die Meinung des Verfassers muss nicht mit der von RIA Novosti übereinstimmen.

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