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Wirtschaft

Sinkende Ölpreise: Russland droht Haushaltsloch – „Nesawissimaja Gaseta”

13:58 15/05/2012
MOSKAU, 15. Mai (RIA Novosti)

Das russische Wirtschaftsministerium warnt vor einem Rückgang der Ölpreise auf dem Weltmarkt in diesem Jahr, schreibt die Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Dienstag.

Der Preisrückgang kann ein großes Loch in die Staatskasse reißen und die sozialen Verpflichtungen und ehrgeizigen Modernisierungspläne erschweren. Der stellvertretende Wirtschaftsminister Andrej Klepatsch betonte am Montag während einer Haushaltssitzung, dass die Exportpreise für Öl und Gas sowie der Umfang der Kapitalflucht zu optimistisch prognostiziert worden seien.

Der reale durchschnittliche Jahrespreis des Öls der Sorte Urals könnte in diesem Jahr tiefer liegen als die von der Regierung prognostizierten 115 Dollar pro Barrel. Der Preis liegt seit Jahresanfang bei durchschnittlich 116,8 Dollar. Doch seit Mitte des Frühjahrs ist ein Preisrückgang zu erkennen. Zugleich könnten die Ölpreise 2013 und 2014 höher liegen als eine offizielle Prognose – nicht bei 97 und 101, sondern bei 110 Dollar, sagte Klepatsch.

Der Vizewirtschaftsminister schloss zudem nicht aus, dass die Prognose für die Gaspreise 2013/2015 geändert werden muss. „Wir haben in der Prognose betont, dass es zusätzliche Risiken gibt, die mit den Gaspreisen zusammenhängen. Wir präzisieren jetzt mit Gazprom und unabhängigen Experten mögliche Nachlässe bei unseren Verträgen, die wir anscheinend machen müssen. Deswegen müsste die Schere zwischen den Öl- und den Gaspreisen weiter auseinandergehen, was sich auf den Haushalt negativ auswirken wird“, sagte Klepatsch.

Laut der aktuellen Prognose liegen die durchschnittlichen Gaspreise laut Verträgen in diesem Jahr bei 379 Dollar für 1000 Kubikmeter, im kommenden Jahr bei 353 Dollar, 2014 bei 342 Dollar und 2015 bei 358 Dollar. Die Prognose für die Gaspreise für das ferne Ausland liegt 2012 bei 439 Dollar, 2013 bei 395 Dollar, 2014 bei 374 Dollar und 2015 bei 390 Dollar. Der Energie-Export macht etwa 40 Prozent der Staatseinnahmen aus, deshalb ist die Genauigkeit der Einschätzungen von großer Bedeutung für den Haushalt. Eine genauere Prognose solle im Herbst abgegeben werden, wenn der Haushaltsentwurf der Regierung vorgelegt werde, sagte Klepatsch.

Das Wirtschaftsministerium hat sich nicht nur bei den Prognosen für die Öl- und Gaspreise verkalkuliert. Der laufende Kapitalabfluss ist in diesem Jahr viel höher als erwartet. Im ersten Quartal dieses Jahres wurde insgesamt 35 Milliarden Dollar aus Russland ausgeführt. Laut vorläufigen Schätzungen sind im April weitere rund acht Milliarden Dollar aus dem Lande geflossen. Im Mai werde sich die Situation kaum verändern. Doch in dem zweiten Halbjahr sei ein Kapitalzufluss zu erwarten, der die aktuellen Verluste zum Teil ausgleichen werde, sagte Klepatsch. Laut der Prognose werde der Kapitalabfluss in diesem Jahr bei 25 Milliarden liegen, sagte der Beamte.

Unabhängige Experten warnen derweil vor negativen Folgen des Öl- und Gaspreisrückgangs für die russische Wirtschaft.

Laut Alexej Koslow von der UFS Investment Company wird der Rückgang der Ölpreise zur Senkung der Haushaltseinnahmen führen. In mittelfristiger Perspektive werde Russland einen unausgeglichenen Haushalt haben. Der Staat müsse dann die Kürzung der Haushaltsausgaben erwägen, was die sozialen Verpflichtungen gefährden könne, sagte der Experte.

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